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Eine Kindheit in dem Dorf Eching
"Brenna tuat's!"
Fortsetzung Teil 1
Walburga Buchmeier / Im Jahr 1929 hat es im Dorf fünf Mal gebrannt. Magdalena und die anderen Kinder erlebten das als schaurig-schöne Sensation. An der Oberen Hauptstraße brannte es beim Lidl, an der Heidestraße beim Göring und beim Weber Peter. Das Anwesen "Fischerklaus" an der Ecke Garchinger Straße/ Waagstraße fiel in Schutt und Asche und wurde an dieser Stelle nicht mehr aufgebaut. Die Familie siedelte auf ein freies Feld aus und errichtete an der heutigen Bahnhofstraße einen neuen Hof. An der Garchinger Straße brach beim Fischer Georg (Neumeier) ein Feuer aus, und zwar durch Selbstentzündung des Heustocks. Bei jedem Brand läutete die Sturmglocke, und der Zimmermann und Landwirt Winklmeier blies als Hornist der Feuerwehr auf seiner Trompete Alarm. Er rannte durch die Straßen, um die Feuerwehrmänner zum Einsatz zu rufen und die Einwohner zu warnen. Die Leute stürzten aus den Häusern und schrien: "Brenna tuat's!" Bei Nacht waren die lodernden Flammen noch Furcht erregender als am Tag. Alles rannte, um zu helfen, das Vieh aus den Ställen zu retten und Geräte in Sicherheit zu bringen. Die Feuerwehrmänner holten das Löschfahrzeug aus dem Feuerwehrhaus, schraubten in Windeseile Schläuche und Rohre zusammen und schlossen sie an den Schlagbrunnen an, der zur Förderung des Löschwassers im Ort vorhanden war. Die Pumpmannschaft drückte die Pumpstange nach unten und oben. Der Steigerzug hatte mittlerweile die Leiter aufgestellt, und die Männer des Löschzugs bekämpften von dort aus die Flammen. Das war sehr gefährlich, vor allem, wenn die Balken einzustürzen drohten. Falls noch möglich, montierte Herr Krauß die Stromleitungen von den Dachständern ab. Der Krach berstender Balken und die im Feuerschein einstürzenden Mauern schufen eine unheimliche Szenerie. Der Brandgeruch hing noch tagelang in der Luft. Diese und viele weitere Erlebnisse hat Magdalena Wagner, geborene Griesmann, mit wachem Geist und erstaunlichem Gedächtnis im hohen Alter aufgeschrieben. Gemeindearchivar Georg Kollmannsberger hat ihre Aufzeichnungen redaktionell bearbeitet.
Kindersterblichkeit
Fortsetzung Teil 2
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Nicht selten waren die Familien, in denen sich fast jedes Jahr Nachwuchs einstellte, viele Säuglinge starben jedoch früh. Magdalena Wagner schreibt in ihren Erinnerungen: "Die Bäuerinnen mussten viel zu viel arbeiten, und es wurde keine Rücksicht auf die Schwangerschaft genommen. Ich weiß Fälle, dass manche Bauersfrau auf dem Feld die Wehen bekam und dann mit dem Pferdefuhrwerk schnell nach Hause gebracht wurde." Die Mutter der Autorin, die ebenfalls Magdalena hieß, brachte fünf Kinder zur Welt, und nur eines blieb am Leben; die übrigen starben noch am Tag der Geburt, nach einem Tag oder spätestens nach 17 Tagen. Wenn "des grouß Wei" auf den Hof kam, dann ahnte das Lenerl, dass es wieder ein Geschwisterchen bekommen würde. Die Hebamme aus Mintraching scheint eine stattliche Person gewesen zu sein, die den kleinen Erdenbürgern auch bei Komplikationen auf die Welt half. Lenerl und ihre Freundinnen glaubten, dass sie die Kinder in ihrer großen Tasche, die sie bei sich trug, mitbrachte.
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Magdalena Wagner, geborene Griesmann, schrieb im Alter von fast 80 Jahren ihre Kindheitserinnerungen nieder. |
Fortsetzung Teil 3
Die Erinnerungen der Magdalena Griesmann, aufgezeichnet von Wallburga Buchmeier Das kirchliche Leben 1
Im Schatten der alten Echinger Pfarrkirche wuchs Magdalena Griesmann auf. Nachbar war das Mesner- Anwesen, heute Bürgerhausplatz; dahinter lag der alte, stattliche Pfarrhof, der 1979 abgerissen wurde und dem Bürgerhaus Platz machte. Pfarrer war Franz Josef Roßberger (1881 - 1965), der von 1923 bis 1959, also 36 Jahre in Eching wirkte. Magdalena schreibt: "Der Pfarrhof war für mich ein sehr schönes Gebäude. Man ging durch ein Eisentor in das Grundstück. Früher, und zwar noch bis zum Ersten Weltkrieg, hatte der Pfarrer neben seinem Pfarramt auch noch etwa 240 Tagwerk Grund zu bewirtschaften." Hinter dem Pfarrhof war eine große Wiese, die an den Hausanger des Griesmann-Hofes angrenzte. "Unser Anger war eingezäunt, und an der Grenze zum Pfarrgarten standen - und stehen noch heute - riesige Eichen. ... Eine große Versuchung waren die vielen Apfelbäume in Pfarrers Garten. Franziska, genannt Fräulein Fanny, Pfarrer Roßbergers leibliche Schwester, führte den Haushalt. Ihr Reich war die riesige Küche. Hingebungsvoll pflegte sie ihre gelähmte Schwester, die im Rollstuhl saß. Im Studierzimmer bereitete der Pfarrer die Brautleute auf den Stand der Ehe vor. Ein großer Raum im Obergeschoß diente Bürozwecken. "Auf dem Schreibtisch herrschte ein chaotisches Durcheinander von Belegen, Kirchenbüchern usw. Der Pfarrer schob immer mancherlei beiseite, wenn er bestimmte Unterlagen suchte, zum Beispiel das Taufbuch, aber er fand stets, was er brauchte," erinnert sich Magdalena. Jeden Donnerstag ging er zu Fuß nach Dietersheim, um in der Filialkirche Gottesdienst zu halten. Nebenbei führte er auch noch die Raiffeisenkasse. Man konnte bei ihm Geld einzahlen und abheben. Riesigen Arbeitsaufwand verursachten die vielen Einlagen auch kleinster Beträge. Im Vorhaus der Pfarrkirche waren hinter einem Gitter Totenköpfe und Gebeine ausgestellt. Die Kirchenglocken wurden von Hand geläutet, die Ministranten mussten kräftig am Seil ziehen. Jede Viertelstunde schlug die Turmuhr; die Bewohner des Griesmann-Anwesens konnten Tag und Nacht die Stunden zählen. Bei Eintritt der Dunkelheit läutete die Gebetsglocke, die alle Kinder nach Hause rief, sonst holte sie der "Betleiter", der "Gebetläuter", eine Drohgestalt zur Kindererziehung. Die Leute, die auf nahen Feldern arbeiteten, konnten sich nach dem Glockenschlag richten. "Wenn ein schweres Gewitter aufzog, wurde die Sturmglocke geläutet, weil man glaubte, der Schall könne ein Unwetter vertreiben. ... Die Mutter zündete die geweihte Wetterkerze an. Wenn jemand im Dorf starb, läutete der Mesner die Totenglocke. Damals wusste man meistens, wer schwer krank war und wer gestorben war." "Das Läuten vor dem Pfarrgottesdienst verlief folgendermaßen: Das Dreiviertelläuten war eine Viertelstunde vor Messbeginn, das Zusammenläuten mit allen Glocken fünf Minuten vorher." (wird fortgesetzt)
Vor 20 Jahren: Siedlung Hollern nach Unterschleißheim umgemeindet
Gemeinderat von Eching stimmte für die Abtrennung
Walburga Buchmeier / Mit Wirkung vom 15. Februar 1990 wurde das Echinger Gemeindegebiet zwischen alter (heute Ingolstädter Straße) und neuer Bundesstraße 13 in die Gemeinde Unterschleißheim eingegliedert. Die Regierung von Oberbayern, an deren Spitze damals Raimund Eberle stand, setzte sich damit über einen Beschluss des Kreistags Freising hinweg, der mit großer Mehrheit gegen eine Umgemeindung votiert hatte. Der Gemeinderat Eching hatte sich am 31. Oktober 1989 mit drei Gegenstimmen für die Abtrennung ausgesprochen. Die Übergabe des Gemeindegebiets vollzog Echings Bürgermeister Dr. Joachim Enßlin am 15. Februar 1990 in der Hollerner Falkenstraße. Rolf Zeitler, Bürgermeister Unterschleißheims, hieß die neuen Bürger seiner Gemeinde willkommen. Auch Landrat Joachim Gillessen freute sich über den Gebietszuwachs des Landkreises München. Nicht anwesend war bei der Ortsteilübergabe Ludwig Schrittenloher, Landrat von Freising. Das Ortsschild "Hollern Gd. Eching Kreis Freising" wurde abgenommen und durch "Unterschleißheim Ortsteil Hollern Kreis München" ersetzt. Da die Umgemeindung für Eching mit steuerlichen Einbußen verbunden war, wurde in dem Vertrag zwischen den beiden Gemeinden festgelegt, dass Unterschleißheim eine Ausgleichszahlung von drei Millionen DM leistet. Die Anfänge der Siedlung Hollern reichen in die 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück. Martin Steininger sen. wusste über die Geschichte vieles zu berichten. Die "Urzelle" der späteren Bebauung war das Haus des Ehepaars Meuth, das August Engelen, Besitzer von Gut Hollern I, für seine Schwester Selma 1926/27 errichten ließ. Zwei Kiesgruben lagen in dem Gebiet des heutigen Ortsteils, die den Gütern Hollern I und II gehörten; die Kiesgewinnung deckte in kleinem Rahmen den Hofbedarf. Ein Teil der Fläche war Besitz des Straßenbauamts. Mitte der 30er Jahre wurde der Kiesabbau in der südlichen Grube verstärkt, da August Engelen das Schürfrecht an die Firma Oberauer vergab, die ein Siebwerk einrichtete. Die Abbauerlaubnis wurde 1945 nicht verlängert. Die Firma BMW verlegte in den süd
Historische Ansichtskarten aus der Gemeinde Eching im Internet
Nadler I. / Ein interessantes Hobby hat Christian Huscher aus Dietersheim. Er sammelt alte Ansichtskarten und Fotos aus der Gemeinde Eching. Seit kurzem hat er sie im Internet veröffentlicht. Geboren wurde er 1980 in Dachau, wo er schon mit 16 Jahren die Sammelleidenschaft für alte Sachen entdeckte. Als Christian Huscher im Herbst 2000 seine jetzige Frau Monika aus Dietersheim kennengelernte, interessierte er sich auch für Historisches aus der Gemeinde Eching. 2002 entdeckte er zufällig zwei alte Ansichtskarten von Dietersheim und begann mit dem Sammeln von Ansichtskarten und alten Fotos aus der Gemeinde. Seine Sammlung umfasst derzeit 170 Ansichtskarten aus dem Zeitraum von 1898 bis 2009. Die interessantesten Stücke seiner Sammlung kann man jetzt im Internet anschauen. Sie geben einen Einblick, wie es in dieser Zeit in den Orten Eching, Dietersheim, Günzenhausen und dem Gut Hollern ausgesehen hat. Mit viel Interesse hat er Daten über die Poststellen in den Orten recherchiert und historische Festlichkeiten, wie die Echinger Glockenweihe in seine Sammlung aufgenommen. Er würde sich freuen, wenn er weitere alte Fotos und Ansichtskarten bekommen könnte. Falls in seiner Sammlung etwas fehlerhaft ist, wäre er für jeden Hinweis dankbar. Seine Internetadresse lautet www.alte-ansichten-von- eching.de.
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Mehr als ein Denk-Mal“ Grabzeichen und ihre Geschichte
Josef Moos / Grabzeichen waren und sind zu allen Zeiten und in allen Kulturen mehr als die Markierung des Begräbnisplatzes. Sie geben immer auch Auskunft über die Befindlichkeit des Gedenkens und wollen Zeichen setzen für die Lebenden. Hier ruht ein Mensch, man gedenke seiner – sehe aber auch wie wohlgefällig sein irdisches Leben zu ihm war. Dieses „Zeichen setzen“ über den Tod hinaus führte zum einen zu den Denkmälern, die sich berühmte, aber auch berüchtigte Zeitgenossen nach ihrem Tod setzen ließen, leider aber auch zu den Steinwüsten, als die sich viele Friedhöfe den Besuchern präsentieren. Auch in den Formen und Inschriften lassen sich die Wünsche erkennen und ablesen, die man den Lebenden hinterlassen wollte. Das konnte der Stand – Ökonom von hier – genauso sein wie der Beruf, der Titel oder der militärische Rang oder ein geschöntes Foto als bleibendes Bild. Die Geschichte der Grabzeichen ist derart facettenreich, dass hier nur wenige Aspekte herausgenommen werden können. In christlich geprägten Kulturen wie der unseren dominiert das Kreuz als Grabzeichen, doch es ist nur noch in geschmiedeten oder Grabkreuzen aus Holz vorhanden. Auf Grabsteinen ist es oft nur noch als Symbol zu finden, darauf oft an den Rand gerückt und selten ansprechend gestaltet. Ursprünglich stand auf einem Grabhügel nur das Holzkreuz, das dem Bestattungszug voran getragen wurde. Sank der Grabhügel ein, ersetzte man es meist durch ein stabileres Holzkreuz mit Dach oder ein geschmiedetes. Wurde das Grab wiederbelegt, früher selten von Angehörigen, beschriftete man die Namenstafel neu. Erst mit dem Aufkommen der Familiengräber, in unserer Gegend im späten 16. Jahrhundert, markierte ein dauerhafter Stein die Grabstätte. Er war ursprünglich in seiner Form und Dimension dem Brett nachempfunden, auf dem der Tote aufbewahrt wurde, und von dem aus er ins Grab geleitet wurde, denn Särge wurden erst im 18. Jahrhundert üblich. Das Brett wurde sehr oft auch nahe dem Haus des Verstorbenen aufgestellt, wenn rasch hintereinander gestorben wurde, denn auf dem Grab stand immer nur ein Brett. Im bayerischen Wald findet man noch zahlreiche dieser Totenbretter. Mit den Grabsteinen begannen die Friedhöfe auch an Höhe zu gewinnen, es wird ja immer nur hineingetragen, nie mehr heraus. Und mit dem Stein begann auch ein Abstieg der Kultur der Grabzeichen. Er nahm bald die ganze Breite der Grablege ein, der polierte Stein, weil edel und teuer, und so dominiert er noch heute die Friedhöfe. Aus dem einstigen Hügel ist die Umrandung geworden, man begann wie im Leben auf das Grundeigentum Wert zu legen, anderen zu zeigen, wo das Eigentum an Grund und Boden begann. Die Weihwasserschalen, ursprünglich nur an den Anfängen einer Gräberreihe platziert, wanderten zum einzelnen Grab. Das Besprengen des Grabes mit Weihwasser sollte ja in der naiven Volksfrömmigkeit den armen Seelen im Fegefeuer Linderung geben. Man denke sich seinen Teil, ist es am Einzelgrab immer von Nöten. Die früher oft farbige Bemalung der Grabzeichen ist am Stein nicht mehr möglich, das Verhältnis zu den Toten ist so damit ein sehr kaltes und nüchternes geworden. Doch es gibt auch auf den Echinger Friedhöfen Ausnahmen, sie sollen aus Gründen rücksichtsvoller Pietät nicht besonders herausgehoben werden, mit einer Ausnahme. So zeichnet sich das Priestergrab vor der alten Sankt Andreaskirche durch seine dezente Gestaltung aus. Ein schlichtes griechisches Kreuz, beide Kreuzungspunkte durch Blumen betont, der obere zusätzlich durch stilisierte Sonnenstrahlen. Am Kreuzstamm winden sich Stäbe in S-Form hoch, ein alten Ewigkeitssymbol, und die Enden sind sie zu Blättern ausgeschmiedet. Kein martialisches Grabmal, sondern leicht, filgran, Lebensfreude ausstrahlend. Ein Stein am Fuße des Kreuzes erinnert noch an den alten Brauch des Abdeckens des Grabstelle. Das war vormals nötig, damit nicht streunende Hunde den Leichnam ausgruben. Es mögen die Leser selbst beurteilen, ob nicht mehr Bescheidenheit in der Gestaltung der Grabzeichen ihrer ursprünglichen Bedeutung besser gerecht werden als das was auf Friedhöfen allerorten zu sehen ist: es soll der Ort des stillen Gedenkens an einen Verstorbenen sein – und nicht mehr.
Geschichte der Gemeindewaage in Eching
(erstellt von Archivpfleger Günter Lammel anhand von Unterlagen im Gemeindearchiv)
Wir schreiben das Jahr 1899. Im Königreich Bayern regiert Prinzregent Luitpold, in Eching lenkt Bürgermeister Matthäus Lengl die Geschicke der Gemeinde, Johann Mauermeir (Schreibung laut eigener Unterschrift) verwaltet die Kasse der Ortsgemeinde. Zahlungsmittel ist die (Gold)Mark. Spätere Generationen werden 1 Mark gemessen an der Kaufkraft mit knapp 10 Euro gleichsetzen und von einem Wertverlust auf weniger als die Hälfte in den nächsten Jahren sprechen. Durch Gewinnüberträge aus den Vorjahren und sparsames Wirtschaften weist diese Kasse der Landwirte Ende 1899 einen stattlichen Überschuss auf. Kassier Adam Korn vermerkt in seinem Abschlussbericht 1899: „verbleibt Aktivrest von 1462,07 Mark, welcher zur Anschaffung einer Wage verwendet wird.“ Es soll eine Fuhrwerkswaage werden, für den Bedienstand ist ein Häuschen zu errichten, in dem auch die Viehwaage unterzubringen ist. Bereits im November 1899 fertigt der Maurermeister Thomas Thalmeier den Bauplan. Der Auftrag zur Herstellung der Waage geht an die Waagenfabrik Müller & Sohn in München. Ende 1899 wird der engagierte Verwalter Johann Mauermeir zum Bürgermeister gewählt. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit erklärt er die Gemeindewaage zur „Chefsache“. So holt er im Juni 1900 selbst den Kalk für den Bau des Waaghäusls und erhält dafür 3 Mark aus der Ortskassa der Landgemeinde. Die Baumaterialien schlagen mit insgesamt 325 Mark zu Buche, der Maurer Jakob Ziegltrum berechnet für Maurer- und Handlangerarbeiten 130,80 Mark. Ende Juni steht das Häusl, die Wiegegrube ist betoniert und das Holz für die Wiegeplattform liegt bereit. Der Bürgermeister holt die Waage persönlich in München ab und erhält laut Quittung „für abhollen der Wage fünf Mark und den Mondör für Aufstelung zwei Mark“. Mit der Rechnung lässt sich der Lieferant Zeit. Erst am Jahresende werden die 1010 Mark als „baar und richtig erhalten“ quittiert. Für die amtliche Eichung der Waage am 7. Juli 1900 sind 12,10 Mark zu entrichten. Fortan wird die Fuhrwerkswaage zum Wiegen ganzer Wagenladungen an Kartoffeln, Heu, Stroh, Getreide und Kohlen genutzt. Großen Gewinn wirft die Waage anfangs nicht ab. In den ersten Jahren betragen die Einnahmen an Waaggebühren lediglich 50 Mark pro Jahr, alle zwei Jahre fallen 6 Mark für die vorgeschriebene Nacheichung an. Ab 1910 fließen jährlich ca. 100 Mark in die Kasse, allerdings bekommt davon der Waagmeister 40 Mark. Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2009. Das Königreich Bayern ist Geschichte, das Waaghäusl erinnert Anfang des Jahres kaum mehr an diese glorreiche Zeit. Das Holz ist morsch, der Putz bröckelt, das Dach ist undicht, die Fensterscheiben sind geborsten. Da schmieden einige Echinger Bauern gemeinsam mit der Heimatbühne einen Plan. Sie wollen das Häusl in Eigenleistung renovieren. Bürgermeister Josef Riemensberger sichert seitens der Gemeinde die Kostenübernahme für das Material zu. Und fast so schnell wie der Bau vor 110 Jahren gehen die Erneuerungsarbeiten voran. Beim Waaghäuslfest am 29. August ab 15:00 Uhr in der Waagstraße kann sich jeder selbst davon überzeugen.
„Bestattet wie gestorben“
Zur Geschichte des Friedhofs
Josef Moos / Die Wiederbelegung des Friedhofs um die Kirche Alt-Sankt-Andreas soll Anlass sein, einen Blick auf die reiche Geschichte der Friedhofskultur zu richten, dabei muss historisch weit zurückgegriffen werden, auf die im Echinger Gfild wohl umherziehenden Sippen. Als sie noch Jäger und Sammler waren war eine leibliche Bestattung nicht üblich. Die Toten wurden verbrannt, ihre Asche von den Sippen in Urnen mitgeführt. So versprach man sich durch die Gegenwart der Vorfahren Schutz vor den Naturgewalten. Erst mit der Besiedelung fester Plätze, im Gfild dürfte das um 500 n. Chr. gewesen sein, ging man zur Erdbestattung über, gab den Toten eine Wegzehrung mit, da man an ihr Weiterleben an einem uns nicht zugänglichen Ort glaubte. Dieser Brauch stammte aus vorchristlicher Zeit. So fanden sich auf der Garchinger Heide noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts zahlreiche Hügelgräber. Diese Hügel galten den Menschen als heilige Orte, waren aber so für Grabräuber leicht zu entdecken. Mit der Verbreitung des Christentums änderten sich die Bestattungsformen. Man wollte seine Toten nahe dem Gotteshaus haben, umgab diesen Ort des Friedens mit einer Mauer und nur ein Tor gewährte Zugang. Auf dem Friedhof galt wie in der Kirche das allgemein respektierte Asylrecht, hierher zog man sich auch bei Gefahr zurück. Weil die frühen Christen an die leibliche Auferstehung glaubten, die Trompeten von Jericho werden sie einst ankündigen, bettete man die Toten mit Blick nach Osten. Doch auch die Orientierung hin zum Allerheiligsten, zum Altar, war üblich., mancherorts gruppieren sich die Gräber deshalb radial um den Kirchenbau. Die „besten“ Plätze lagen nahe der Kirche, höchsten Segen sicherte ein Grab an der Kirchenwand, besser noch in der Kirche selbst. Das war Geistlichen und Grundherren vorbehalten, in Eching aber nie üblich. Auf dem Friedhof wurde über Jahrhunderte „bestattet wie gestorben“, war der Platz erschöpft, so begann man aufs Neue mit dem Aushub eines Grabes. Fanden sich Reste, meist Schädel oder Oberschenkelknochen, so barg man diese, reinigte, beschriftete und bemalte sie auch oft und legte sie im Karner, einem Beinhaus, ab. In Neufahrn findet sich noch ein kleiner Karner am Kircheneingang. So versicherte man sich der Gemeinschaft der Lebenden und der Toten, der sonntägliche Kirchgang führte ja zwangsläufig über den Friedhof und man war so den Vorangegangenen immer nahe. Feste Grabstellen, erbliche Familiengräber gar, wurden erst im 17. Jahrhundert üblich. Es wurde in diesem Jahrhundert ja reichlich gestorben, Kriege und Seuchen sorgten für volle Friedhöfe. In den Städten reichte dafür der Platz um die Kirche nicht mehr, am Stadtrand entstanden Pestfriedhöfe, so in München der Alte Südfriedhof. Damit begann aber auch die Auslagerung der Toten, ihre Separierung von den Lebenden, nur noch an Festen wie Allerseelen rückten sie ins Bewusstsein. Auf den neuen Friedhöfen bildeten sich rasch Rangfolgen, die besten Plätze waren an der Mauer, reiche Bürger errichten ihren Verstorbenen Grüfte, die armen wurden in die Feldmitte verbannt. Fremde, Bettler, Außenseiter und Nichtgläubige waren hier nicht geduldet, sie wurden auf Elendenfriedhöfen mehr verscharrt denn bestattet. Ein weiterer Wandel der Friedhofskultur setzt im 20. Jahrhundert ein. Man besann sich der antiken griechischen Tradition, lege Waldfriedhöfe an, so z. B. in München die Waldfriedhöfe. In den Städten verschwanden die alten Friedhöfe um die Kirchen, Oasen der Ruhe und Plattenseen entstanden, wo vorher die Gräber den Weg zum Gotteshaus begleiteten. In Eching hat diese Entwicklung zeitversetzt stattgefunden, aber hier durfte der alte Friedhof erhalten bleiben. Eine Platznot wird es auf den nun drei Friedhöfen nicht geben, denn die Zahl der Urnenbestattungen wird weiter zunehmen, in Großstädten sind es bereits ein gutes Drittel. So kehren die Menschen wohl wieder zurück zum ursprünglichen Bestattungskult, die unversehrte leibliche Auferstehung ist nicht mehr Leitbild für die Art der Bestattung.
Vor 30 Jahren: Günzenhausen nach Eching eingemeindet
Seit 1818 selbständige Gemeinde
Walburga Buchmeier / Im Zuge der Säkularisation anno 1803 wurde das Hochstift Freising, also der Herrschaftsbereich des Fürstbischofs, dem Land Bayern zugesprochen. Damit war auch das Ende der Hofmark Ottenburg gekommen, die etwa seit dem Jahr 1070 zum Hochstift gehört hatte. Die Ortschaften Günzenhausen, Ottenburg, Deutenhausen und Hörenzhausen wurden 1818 zur Gemeinde Günzenhausen zusammengefasst. Das früher zur Hofmark Ottenburg gehörende Eching wurde zusammen mit Dietersheim und Hollern eine eigene Gemeinde. Pfarrer Josef Kranz von Oberschleißheim, ein geborener Günzenhausener, berichtete 1973 in seiner Broschüre "1200-Jahr- Feier der katholischen Pfarrei Fürholzen" über die Bedeutung Ottenburgs: "In Urkunden konnte man lesen: Eching bei Ottenburg". Anno 1354 übertrug Bischof Albert dem Kloster Weihenstephan das Präsentationsrecht auf das Dorf Eching. In dieser Urkunde heißt es: "Ecclesia S. Andrea in Ehing sita prope castrum nostrum dictum Ottenburg" also "Die Kirche in Eching nahe unserer Burg genannt Ottenburg". Die Hofmark übte die "niedere Gerichtsbarkeit" aus, dort wurden auch Delinquenten aus "Öhing" abgeurteilt. Die Gemeindegebietsreform brachte in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine neue Umgruppierung der Ortschaften. Es wurde erwogen, Günzenhausen, Fahrenzhausen, Massenhausen und Kammerberg zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammenzufassen. Eine Bürgerbefragung in Günzenhausen fiel jedoch eindeutig zu Gunsten Echings aus. Am 1. Januar 1978 verlor Günzenhausen seinen Status als selbständige Gemeinde. Das Dorf Hörenzhausen wurde Fahrenzhausen zugeschlagen. Die Eingemeindung Günzenhausens nach Eching wurde mit einer zünftigen "Bauernhochzeit" gefeiert. Jakob Hechenberger, der letzte Bürgermeister Günzenhausens, übergab als "Mitgift" 20 Millionen Mark an Bürgermeister Dr. Joachim Enßlin. Es war jedoch Inflationsgeld aus dem Jahr 1923.
Lebendige Vergangenheit im Echinger Heimatmuseum
U. Wilms / Wie sie so war, die (nicht immer so gute) alte Zeit, das wurde Besuchern des Echinger Heimatmuseums am Tag des offenen Denkmals am 14. September sehr anschaulich vor Augen geführt. Mit ihren mittlerweile mehr als 260 Exponaten aus dem bäuerlichen Leben legt die „bäuerliche Gerätesammlung auf dem Gfild“ so der offizielle Name der Ausstellung unter der Schulturnhalle, ein äußerst beredtes Zeugnis ab von der bäuerlichen Vergangenheit. Als neues Exponat ist ein Pferdeschlitten mit gepolsterter Sitzbank dazugekommen. Gerne standen Museumsleiter und Landwirt Klaus Widhopf , der gebürtige Donauschwabe Konrad Hirtenreiter sowie Hobby-Mineraloge Eichhorn die Exponate in ihren Spezialgebieten – beziehungsweise –Sonderausstellungen für alle Interessenten und deren Fragen zur Verfügung. „ So einen hatten wir auch“ meint eine Besucherin, als Widhopf die Funktion eines zirka 100 Jahr alten Kartoffelsortierers erläutert, der wohl noch bis nach dem Krieg seine Dienste tat. Der gebürtige Donauschwabe Konrad Hirtenreiter geleitete die Museumsgäste durch die Majscher Heimatecke, in der Hausstand und bescheidene Besitztümer der Ungarndeutschen auch ein Kapitel lebendigen Geschichtsunterrichts darstellen. Von ganz anderen Zeiträumen berichten die „Kieselsteine aus Eching“, eine Sammlung alpiner Gerölle von der Münchner Schotterebene, die der Hobby-Mineraloge Helmut Eichhorn mit Fleiß und Sachverstand zusammengetragen und diese sehenswerten eiszeitlichen „Rolling Stones“ anschließend der Gemeinde zur Verfügung gestellt hat.
Impressionen aus dem Heimatmuseum |
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Sagen aus unserer engeren Heimat
Walburga Buchmeier / Um unerklärliche Geschehnisse, geheimnisumwitterte Orte, um Plätze, an denen Unrecht oder Verbrechen geschah, um Wegegabelungen und Kreuzungen, die den Wanderer vor Entscheidungen stellen, ranken sich vielfach Sagen. Unheimliche Begegnungen in einsamen Gegenden, Furcht vor bösen Mächten oder Hoffnung auf plötzlichen Reichtum können bei der Entstehung dieser Erzählungen mitspielen, die lange Zeit mündlich überliefert werden, bis ein Chronist sie aufschreibt. Der "Lichtweg" von Günzenhausen Die Sage vom "Lichtweg" hat Maria Kranz aus Günzenhausen, Lehrerin in Eching, zu der Sammlung "Die schönsten Sagen aus dem Freisinger und Dachauer Land" beigesteuert, die Alois Angerpointner 1971 herausgegeben hat. Der Ortskundige weiß, dass von der Bundesstraße 13 die Staatsstraße 2339 in Richtung Günzenhausen abzweigt. Diesen Abschnitt nennen die Einheimischen "Lichtweg", heute ist es die offizielle Straßenbezeichnung. Und damit hat es folgende Bewandtnis: Ein Günzenhausener Bauer namens Kühnhauser fuhr eines Morgens mit seinem Plachenwagen nach München, um in der Schranne Getreide zu verkaufen. Er brach schon vor Morgengrauen auf, denn ein Fuhrwerk brauchte für die 18 bis 20 Kilometer schon einige Stunden, und dann hatte er ja noch den weiten Heimweg vor sich. Als der Bauer die Ortschaft hinter sich gelassen hatte und sich umwandte, sah er hinten auf seinem Wagen ein Lichtlein sitzen. Zuerst traute er seinen Augen nicht, aber bald war er sicher, dass sich ein böses Gespenst zu ihm gesellt hatte. Voller Angst trieb er die Pferde an, schlug mit der Goaßl immer wieder nach hinten, um den ungebetenen Begleiter zu vertreiben, aber der ließ sich nicht abschütteln. Als er endlich die Ingolstädter Straße (heute B 13) erreicht hatte, war das Lichtlein verschwunden. Nicht nur der Kühnhauser, auch alle anderen Günzenhausener Bauern mieden fortan diese Wegstrecke, wenn sie zu früher Stunde zur Schranne fuhren, um ihre Erzeugnisse abzusetzen, und nahmen lieber den längeren Weg über Eching in Kauf. Alte Leute von Ottenburg erzählten noch eine Steigerung dieser Geschichte. Wenn Bauern von Fürholzen oder Günzenhausen über den Lichtweg und den Maisteig nach München fuhren, saßen oft feurige Männchen sogar auf den Rücken der Pferde. Sobald das Fuhrwerk das Holz verließ, durch das der Weg führte, verschwand der Spuk.
Der "Lichtweg" von Dietersheim
Wie Günzenhausen, so hat auch Dietersheim einen "Lichtweg". Die Sage der Entstehung hat Georg Kollmannsberger, Echings Ortschronist, ein geborener Dietersheimer, in seiner "Geschichte der Gemeinde Eching" aufgeschrieben. Hier lebte einst ein Bauer, der Grenzsteine versetzte, um seinen Acker zu vergrößern, und das gehört in der bäuerlichen Welt zu den schlimmen Vergehen, denen die Strafe auf dem Fuß folgt. Nach dem Tod des betrügerischen Mannes musste seine arme Seele als Irrlicht jede Nacht die versetzten Grenzsteine suchen. Dieses Lichtlein soll in der Gegend gesehen worden sein, wo zwischen Eching und Dietersheim in der Nähe des städtischen Gutes ein Feldweg in Richtung Neufahrn abzweigt.
Der Schatz von Hollern
Wie eine Sage erzählt, soll in einem Hügel bei Hollern ein Schatz verborgen sein. Ein feindliches Heer, das in der Gegend sein Lager aufgeschlagen hatte und eilends aufbrechen musste, soll seine Kriegskasse hier vergraben haben. Kriegerische Haufen mögen nicht nur einmal durch die Gegend gezogen sein, Hügel sind auf Hollerns Flur schwer zu finden. Martin Steininger sen. sagte einmal, auf den Schatz angesprochen: "Wir ackern tief, aber wir haben nichts gefunden."
Drei Sühnekirchen
Von einem Punkt in Deutenhausen aus seien drei Kirchen zu sehen, schreibt Anton Mayer, der ehemalige Pfarrer von Jarzt, in seinem Buch "wege - zeichen - glauben". Im Westen ragt der spitze Turm der Kirche von Inhausen auf, im Norden liegt auf einem Hügel die Kirche St. Georg von Weng, und in weiter Ferne, ebenfalls in nördlicher Richtung, ist ein weißer Kirchturm zu erkennen, das müsste Johanneck, Gemeinde Paunzhausen, sein. Diese drei Kirchen sind Sühnekirchen, das heißt, sie wurden als Buße für eine Untat erbaut, und alle drei gehen auf Arnulf den Nasenlosen von Massenhausen zurück. Er ließ seine Gattin Elisabeth von Greifenberg am 5. Dezember 1323 wegen angeblicher Untreue im Schlosshof von Kranzberg auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Die Sage erzählt Folgendes: Arnulf von Massenhausen war Pfleger von "Krandsberg". Da er missgestaltet war und ihm die Nase fehlte, wurde er der "Nasenlose" genannt. Seine fromme Gemahlin, die "schön Els", hatte ihm einen Erben geboren. Auf sie fiel der Verdacht der Untreue, den ein ränkesüchtiger Knecht dem eifersüchtigen Schlossherrn zugeflüstert hatte. Arnulf ließ seine unschuldige Gemahlin in den Burgkerker werfen und auch ihren angeblichen Liebhaber, einen jungen Edelmann, nach einer Version der Überlieferung seinen Neffen Engelmar, in Ketten legen. Schnell sprach er über die beiden das Todesurteil, denn als Pfleger von Kranzberg war er auch Richter in eigener Person. Vergeblich beteuerte Elisabeth ihre Unschuld und flehte um des Knäbleins willen um ihr Leben. Arnulf ließ im Schlosshof von Kranzberg für sie und den Edelmann einen Scheiterhaufen errichten und übergab beide den Flammen. Mit letzter Kraft rief die Todgeweihte: "Nie mehr soll einem Massenhauser ein Sohn geboren werden!" Dieser Fluch ging in Erfüllung. Zu spät erkannte Arnulf die Unschuld seiner Gemahlin, und von tiefer Reue ergriffen stiftete er drei Kirchen an den Orten, wo sein Schimmel niederkniete. Er beschenkte Klöster und baute Kapellen. Die Asche seiner unglücklichen Gemahlin ließ er in das Kloster Dießen bringen. Nach 41 leidvollen Jahren starb auch er den Flammentod beim Einsturz eines brennenden Hauses. Literatur: Clemens Silbernagel: "Sagen und Legenden aus Bayern"; Anton Mayer: "Chronik der Pfarrei Jarzt"; Georg Kollmannsberger: "Heimat auf den Hügeln"
Der "Goaßanger" von Hörenzhausen
Eine alte Bäuerin aus Hörenzhausen erzählte von einem Bauern, der ein arger Trunkenbold war. Als er wieder einmal recht viel gezecht hatte, begann er zu randalieren. Wegen dieses Delikts und noch anderer Straftaten musste er ins Gefängnis. Um sein Fernbleiben von Haus und Hof den Leuten glaubhaft zu begründen, erfand man eine fantastische Geschichte, wie sie ähnlich auch in anderen Sagensammlungen zu finden ist. Einst ackerte ein Bauer abends noch beim Gebetläuten auf dem Feld. Statt den "Engel des Herrn" zu beten, fluchte er so gotteslästerlich, dass man ihn bis ins Dorf hören konnte. Als der letzte Glockenton verstummt war, erschien plötzlich ein Geißbock, spießte den Mann mit den Hörnern auf und flog mit ihm davon. Erst als am nächsten Morgen wieder eine Glocke erklang, ließ er den Entführten fallen. Und wohin hatte der Bock den Bauern verschleppt? Ins tiefste Russland! Dort wurde der Fremdling in den Kerker geworfen. Eines Tages hörte er wieder ein Glöcklein erklingen. Da fragte er den Aufseher, was das bedeute, denn er glaubte, sein letztes Stündlein sei gekommen. Die rätselhafte Antwort war: "Nikolaus, Feuer aus, morgen ist deine Zeit aus." In seiner Angst bereute der Bauer sein Fluchen, gelobte Besserung und versprach auch, nach dem Gebetläuten nicht mehr zu arbeiten. Da ging die Gefängnistür auf, der Geißbock sprang herein, hob den Mann mit den Hörnern in die Luft und trug ihn an die Stelle in Hörenzhausen zurück, von der er ihn entführt hatte. Seitdem heißt die kleine Wiese "Goaßanger". Literatur: Alois Angerpointner: "Die schönsten Sagen aus dem Freisinger und Dachauer Land"
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