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Schloss Ottenburg

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Eine Chronik von Ernst Keller
Text, Bild: Karl-Heinz Damnik
Titelbild sowie historische Fotos aus dem Nachlass der Familie von Hertling
Zum Interviewtermin begrüßte mich Ernst Keller, freundlich lächelnd, vor seinem Haus in Fürholzen. Über einige Stufen ging es hinauf in den Dachboden, das Büro. Hier hat Ernst Keller bereits viele ProjErnst Kellerte durchgeführt. Einen Film, die Chronik für Fürholzen und nun die Chronik für Schloss Ottenburg. Fast noch druckfrisch lag das Exemplar auf dem Tisch. Ein Buch über die Vergangenheit unseres Wohngebietes. 1890 Gramm schwer, 496 Seiten, 1357 Bilder, im Format 30 cm hoch, 22 cm breit und fast 4 cm dick. Auflage 1000 Stück, 35 Euro billig. Man sollte meinen ein Lebenswerk! Aber „nur“ 11 Jahre benötigte Keller, um dieses umfangreiche Werk zu recherchieren. Bereits vorher hat er die Chronik von Fürholzen verfasst, dafür benötigte er 14 Jahre. Damals hat ihm ein Graphisches Büro bei der Gestaltung geholfen, heute macht er fast alles eigenständig. Bilderrepros einscannen, bearbeiten und formatieren und, und, und….
EF: Wann und wo sind Sie geboren?
Ernst Keller: 1946 in St. Martin in der Steiermark, Österreich
EF: Was haben sie beruflich gemacht?
Ernst Keller: Finanzbeamter (daher das akribische Recherchieren!)
EF: Sie haben schon eine Chronik über Fürholzen erstellt. Wie kamen Sie darauf eine Chronik über „Schloss Ottenburg“ zu machen?
Ernst Keller: 14 Jahr Recherche in amtlichen, staatlichen, kirchlichen und privaten Archiven brachten immer wieder Zusammenhänge und Überschneidungen in der Thematik hervor, die ich nutzen konnte. Die Zusammenkunft mit den Nachfahren der letzten adeligen Schlossherren, der Familie von Hertling, Christa und Sigrid von Hertling. In einem Familienrat übergaben sie mir Urkunden, Schriftstücke und Bilder, die ich alle im Buch verwerten konnte. Eine Familie, die sich gefreut hat und die Stolz waren, dass heute noch an diesen alten Unterlagen Interesse besteht. Da wären noch einige Geschichten zu erzählen, vielleicht mache ich einmal ein Buch nur über diese Familie!?
EF: Sie haben, wie man an den diversen Quellenangaben ersieht, viele Stunden in den Archiven gelesen. Wie findet man dort gezielt etwas über „Schloss Ottenburg“?
Ernst Keller: Als ehemaliger Finanzbeamter weiß man, wo man zu suchen anfangen muss !
EF: Haben Sie die Bilder und Bildausschnitte selbst erstellt?
Ernst Keller: Es sind alles Repros die ich selbst bearbeitet und für den Druck aufbereitet habe. Diese vielen Bilder waren erforderlich, da ich die Menschen zeigen wollte, wie sie waren. Ihre zeitgenössische Kleidung, die damalige Umwelt und vieles mehr für die Zukunft erhalten wollte. Außerdem lockern zum Text passende Bilder das Buch auf.
EF: Sind Sie für die Bilder, ab den 20er Jahren, in den Orten herumgelaufen und haben die Leute besucht?
Ernst Keller: Ich habe in Josef Hechenberger einen Mann gefunden, der bereits eine Riesensammlung von Bildern über den Ort hatte, sowie Bilder und Unterlagen des heutigen Schlossbess Martin Reinhardt. Dieser Schatz wurde durch persönlichen Kontakt mit Bürgern vervollständigt. Hier wurden auch immer wieder mündlich überlieferte Geschichten zum Leben erweckt.
EF: Sie schreiben sehr ausführlich über die umliegenden Orte, wäre es nicht besser gewesen konzentriert nur über das Schloss zu schreiben?
Ernst Keller: Das sollte man nicht so isoliert betrachten. Schließlich wollen die Leser die Zusammengehörigkeit der damals eigenständigen Ortschaften vermittelt bekommen. Immerhin handelt es sich nicht um gedruckte Vorlagen, die man vorfindet, sondern Gerichtsakten in 12 Stapeln zu jeweils 1000 losen Blättern, da ist es unmöglich die Zusammenhänge nicht zu berücksichtigen. Es macht mir Spaß, mich in die Sache hinein zu knien. Ich würde niemals eine Auftragsarbeit annehmen.
EF: Unterirdische Gänge in Fürholzen, Massenhausen, Günzenhausen und Ottenburg. Gibt es dort auch Zusammenhänge?
Ernst Keller: Auf jeden Fall. Allerdings handelt es sich um eine Sage. Wir wissen bis heute nicht, zu welchem Zweck sie angelegt wurden. Eventuell waren es Fluchtwege oder hatten einen religiösen Hintergrund. In Massenhausen wurde in diesem Gang ein 2000 Jahre alter Krug gefunden, wie er dort hinkam weiß niemand.
EF: Herr Keller vielen Dank für das interessante Gespräch.
Doch wie wird es nun weitergehen, keine Arbeit mehr? Erst wird er die Anfragen von Bibliotheken und Privatpersonen erledigen, und dann, in seinen Augen leuchtet ein Feuer auf!! Er habe, gerade in letzter Zeit, anonyme Einwürfe in seinen Briefkasten erhalten. Unter anderem 2 Censusbücher aus Massenhausen von 1828 und aus Fürholzen von der Werk – und Feiertagsschule aus dem Jahre 1891. Von einem Bauern ein Entlassungsschreiben aus der königlichen Gefangenenanstalt Laufen. Der genaue Wortlaut:
„Entlassung
Kiening Jacob, lediger Dienstknecht zu Fürholzen, lässt im Hinblick auf seine Vorstrafen, in noch so jugendlichem Alter, als kecker, übermütiger Mensch keine dauernde Besserung erwarten. Seine Schul – und Religionskenntnisse sind schwach.
Unterschrift durch den Gefängnisdirektor 23.12.1887“
Mit diesem Schreiben musste derjenige sich bei der Gemeinde melden und es seinem neuen Dienstherren vorlegen!!!
Von einer Familie aus Neufahrn bekam er einen 35-mm-Film aus den Nachkriegsjahren 1918 – 1921 geschenkt. Er schickte ihn an das Bundesarchiv nach Berlin, diese machten ihn wieder spielbar und waren überrascht, diese Rarität nun zu besitzen. Ein Kleinod, das sie noch nicht hatten, man war begeistert.
Es gibt da noch eine Geschichte der Familie von Hertling. Die Freiherren Fritz und Lips von Hertling waren 1812 im Napoleonfeldzug als Offiziere eingesetzt mit 30.000 bayrischen Soldaten, von denen nur 3000 zurückkamen. Beide retteten sich gegenseitig das Leben und kamen lebend nach Hause. Kurze Zeit darauf starb der eine 39-jährig und der andere wurde mit 39 Jahren im Duell getötet. Eine Geschichte die schon allein ein Buch wert wäre.
Aber besonders Stolz ist Ernst Keller auf seinen selbst produzierten Film, den er mit zwei Spez‘ln gedreht hat. „Damals“ Kriegsgeschehnisse aus dem I. und II. Weltkrieg. Die Dokumentation wurde im Jahre 2008 im Cineplex in Neufahrn von etwa 20.000 Zuschauern gesehen. Er wurde am 30.9.2009, vorgeschlagen von der Deutschen Kriegsgräberfürsorge, in Dachau mit der Theodor Heuss Medaille ausgezeichnet.
Ein interessanter Mann dieser Ernst Keller, ich bin gespannt was wir noch von ihm hören und sehen werden? Auf Dachböden und Speichern liegt noch viel verstaubtes Material…
Übrigens: wenn sie noch Interesse haben, ein sehr wertvolles Buch für nur 35 Euro zu erwerben: Ernst Keller, Massenhausener Str. 1a, 85376 Fürholzen, Tel. 08165/8484.
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Entlassung - Kiening Jacob, lediger Dienstknecht zu Fürholzen, lässt im Hinblick auf seine Vorstrafen, in noch so jugendlichem Alter, als kecker, übermütiger Mensch keine dauernde Besserung erwarten. Seine Schul – und Religionskenntnisse sind schwach. Unterschrift durch den Gefängnisdirektor 23.12.1887 |
Ernst Keller an seinem Schreibtisch unter dem Dach. |
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Die letzten adeligen Schlossbesitzer (ab 1876) Clara Freiin von Hertling, geb. Vequel-Westernach und Wilhelm Freiherr von Hertling (u.a. befreundet mit König Ludwig II.) |
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IN EIGENER SACHE |
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Das ECHINGER FORUM hat ein neues Gewand bekommen. Ihre Reaktionen darauf waren sehr zahlreich und sehr positiv. Das freut uns natürlich sehr, und deshalb haben wir den Elan im neuen Jahr genutzt, den Inhalt auch noch etwas „aufzumöbeln“.
Seit seiner Gründung war das ECHINGER FORUM speziell der Kultur in der Gemeinde immer sehr verbunden. Und auch jetzt sehen wir die Notwendigkeit, diesen Aspekt des Zusammenlebens wieder etwas zu befördern. Deshalb finden Sie ab dieser Ausgabe in jedem Heft unsere neue „Kultur-Pinnwand“. Auf diesen Seiten werden wir sie nicht nur über Vergangenes unterhalten, wir werden die Veranstaltungen des kommenden Monats plakativ für Sie zusammenfassen. Sie werden hier – zusätzlich zu den offiziellen Ankündigungen von Bürgerhaus, Musikschule, Michel’s Bar, Blasorchester und Musikverein – einen aktuellen Programmauszug vorfinden, den Sie bequem aus dem Heft trennen können und zuhause an Ihre Pinnwand, die Heizung, den Kühlschrank, neben den Fotokopierer, in die Teeküche …hängen können. So haben Sie immer im Blick, was in Eching gerade läuft. An dieser Stelle wollen wir uns auch besonders an all jene wenden, die nicht in Eching wohnen, aber in Eching arbeiten. Sehen Sie sich um an Ihrem Arbeitsort! Motivieren Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen und genießen Sie Ihren Feierabend gleich am Ort, bevor Sie nachhause fahren. Es lohnt sich! Und keine Sorge, die Zeit zwischen Büroschluss und Veranstaltungsbeginn können Sie ebenfalls gut „über die Runden“ bringen – wie lecker man in Eching essen gehen kann, weiß jeder, das muss hier an dieser Stelle nicht extra erwähnt werden.
Es ist eine Menge los in Eching – haben Sie Spaß - gehen Sie hin!
Herzlichst
Ihre Patricia Linner
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